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Besuchen Sie auch die Internetseiten der Gesellschaft zur Förderung von Kunstprojekten zur Aufarbeitung der Geschichte der Sklaverei.

Sinn und Zweck des Vereins ist es, die Erinnerung daran wachhalten, den Nachkommen der Betroffenen ihre Identität zu vermitteln und das Verständnis für andere Kulturen fördern.
Das Ziel soll erreicht werden durch Ausstellungen von Kunstprojekten, Vorträgen, Videos und Präsentationen zu diesem Thema...

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Religion und die magischen Praktiken der Sklaven

1755 wurden die Cabildos legalisiert: Gemeinschaften Afrikastämmiger jeweils eines Stammes oder einer Nation, die sowohl religiöse als auch gesellschaftliche Organisationen waren und ihren Mitgliedern Schutz versprachen. Santeria, Palo Monte und Abakua sind heute die wichtigsten Formen dieser religiösen Praktiken.

Bei den Abakua wird der Fisch mit dem Namen "Tanse" als heiliges Tier, als Träger magischer Geheimnisse und übernatürlicher Kräfte verehrt. Der Fisch ist aber auch für die Christen ein vertrautes Symbol. "Tanse" (der Fisch) wird bei den Abakua durch die heilige Trommel beschworen, "Ecue", so ist der Name der Trommel, bedeutet in der afrikanischen Stammessprache "Efik" Leopard. Da die Trommel über so große magische Kräfte verfügt, bleibt sie unsichtbar. Farbenfroh gekleidet tanzen die Ireme oder Diablitos nach dem Rhythmus. Dargestellt wird so ursprünglich der Zyklus des Lebens: Geburt, Mutterschaft, Zenit des Lebens, Alter und Tod. Die Priester (Santeros) sind jedoch nicht nur Zeremonienmeister, sondern auch Zukunftsdeuter. In beiden KuIten gibt es eine Obergöttin, Ochun genannt. und weitere 20 Götter, die Orishas.
Da der Anpassungsdruck an die katholische Kirche stark war, gingen die Afro-Kubaner dazu über, ihren Göttern die Mäntelchen katholischer Heiliger umzuhängen. Dabei ist schwer zu entscheiden, ob die afrikanischen Sklaven dies bewusst, gewissermaßen als Tarnung praktizierten oder ob sie in den christlichen Heiligen ihre Götter wieder zu finden glaubten.

Häufig war die Geschlechterzuordnung nicht stimmig. Ochun ist die Venus der Lucumi. Sie ist Göttin der Blumen, der Koketterie und Eitelkeit. Ihre katholische Zwillingsheilige ist die Jungfrau Maria, zu der viele kinderlose Kubanerinnen beten.

Ein sehr wichtiger Orisha (Gott) ist Obbatala, der in der Rangordnung gleich unter dem Göttervater Olofi steht; dieser steht für das ewige Alter, Inbegriff des Friedens.

Oya ist die Göttin der Rache und des Friedhofs; Babalu Aye schützt Kranke und Verliebte; Yemaya als Göttin des Salzwassers und des Meeres ist, gleichzeitig zuständig für Mutterschaft und Seeleute; Olokun, der Herr der Meerestiefe, kann vom Santeriapriester nicht gerufen werden, ohne dass sich letztgenannter, wenn er sich in Ekstase begibt, der Gefahr des Todes aussetzt.

Während des Zeremonialtanzes feuern die Bata-Trommeln die Tänzer an, und die Götter manifestieren sich in der Ekstase des Tänzers. Dabei hat jede Trommel ihre eigene Persönlichkeit und Aufgabe. Beschwörungsgesang, Zigarrenrausch, Räucherkerzen heizen die Atmosphäre an.
Auch die Farben spielen eine große Rolle, denn jedem Gott und seinem zugeordneten christlichen Heiligen wird eine charakteristische Farbe zugeordnet.

Die Götter werden mit Blumen und Tieropfern besänftigt. Diese "Heiligenverehrung" hat heute für jeden Kubaner unabhängig von seiner Hautfarbe eine große Bedeutung. Guanabacoa und Regla, Stadtteile von Havana, gelten als Hauptzentren der Santeria. Beim Kult Palo Monte werden nicht Götter, sondern Naturgewalten, bestimmte Gegenstände aus dem Tier-, Pflanzenreich und Gesteine verehrt. Objekte, denen man gewisse magische Kräfte zuerkennt, werden angebetet. Ein Gefäß, eine Art Kessel, "Nganga" genannt, bildet den Mittelpunkt dieses Anbetungskultes. Der "Nganga" (Kessel) wird mit magischen Gegenständen gefüllt (z.B. Friedhofserde, Resten menschlicher Skelette, Aststücken). Dieser Inhalt verkörpert alle in der Welt wirkenden Kräfte.

Der Kreis beherrscht die Darstellung des Geistes Mama Kengue - Obbatala (ocha - Santeria) - Las Mercedes (Katholizismus).
Der Kreis steht für die Sonne, die durch die nach außen hin paarweise kleineren Striche akzentuiert wird. Sie werden auch als Säulen der Weisheit gedeutet. In der Mitte ist ein kleinerer Kreis, der die Geburt der Menschen symbolisiert, die unter dem Einfluss der Gerichtsbarkeit des Hauptgottes Olofi stehen. Oben auf diesem Kreis (Sonne) befinden sich zwei einander kreuzende Pfeile, die für die Ausgeglichenheit der physischen und psychischen Kräfte sorgen.
Dem gegen­über steht der untere Pfeil, der an die Verlängerung eines magischen Dreiecks gebunden ist und zwischen dem positiven (+) und negativen (0) Kräften auszugleichen versucht.
Dieser Geist kämpft um den Ausgleich positiver und negativer Kräfte. Seine Kräfte hierzu nimmt er aus dem Dreieck, das Symbol steht für das Feuer, aber auch für die Reinheit und die Kraft.

Die Darstellung der Makuto Judio (böse Kräfte), denen es mit Hilfe von Asche entgegen zu wirken gilt, enthält unter anderem auch das kreisförmige Sonnenzeichen.
Hier steht die runde Form für den Geist Nfumbe, der bösartige Kräfte symbolisiert. Die horizontale Linie, die die runde Form schneidet, symbolisiert den Weg der nachfragenden Person. Die kleinen parallel darauf verlaufenden Linien sind Hindernisse auf dem Weg der nachfragenden Person. Die kreuzenden Linien im Innern des großen Kreises symbolisieren die physischen und psychischen Kräfte. Der kleine Kreis symbolisiert die konzentrierten Kräfte des Geistes, die in Richtung der waagerechten Linie (Weg) fließen. Dieser Geist hat die Aufgabe, die Kräfte zu sammeln und zu einem positiven Ergebnis zu führen, nämlich die Makuto Judio (böse Kräfte) zu entfernen.

Kalunga, ebenfalls ein Geist, der durch einen Kreis symbolisiert ist, steht jedoch nicht für die Sonne, sondern als Zeichen für den Vollmond, der das Element Wasser als vitale Kraft beeinflusst: das Wasser (Meer/ Flüsse usw.).
Der vertikale Pfeil zeigt das Meer in seiner Gesamtheit mit seinem Wasser und dem Mysterium, das von ihm ausgeht. Der horizontale Pfeil steht für die großen Flüsse und die Bäche, die alle ins Meer fließen. Sie alle treffen sich im Mittelpunkt des Krieges (Mondes) und symbolisieren die Adern der Erde. El Maja O Noca ist ein schlangenförmiger Pfeil, ein positiver Geist, der die Kräfte des Kalunga schützt. Die in der Mitte des Kreises (Mondes) befindlichen kleinen Kreuze stehen für die Spiritualität des Nganga (Zauberkessel).

Kunanquisa (Odudua) - Tiembla Tierra (wackelnde Erde) - Mama Kengue (Obbatala): Hier symbolisiert das Dreieck die Elemente dieses Geistes: Das Dreieck ist das Feuer aus dem Erdinneren. Es steht auch für die geistige Wiedergeburt. Der Halbkreis, der auf einer Linie aufliegt, steht für das Wachstum des Intellekts. Die Pfeile, die den Halbkreis kreuzen, sind Linien des Schicksals, die sich im Kampf der guten und schlechten Kräfte gegenüberstehen. Die zwei kleinen Kreise stehen für die Realität der Welt.

Lucero (Morgenstern): Auch dieser Geist enthält das Zeichen des Dreiecks (Feuer). Von diesem Dreieck (Feuer) geht der Pfeil aus, mit dem man die Fula (Schießpulver) anzündet. Er bringt den Geist, der in der Nganga (Zauberkessel) lebt, in Vibration. Die Pfeile, die sich kreuzen, zeigen die Dualität der physischen und psychischen Kräfte. Der Kreis (Sonne) ist das Symbol der Unendlichkeit. Die sich im Zentrum des Kreises kreuzenden Pfeile zeigen die Stärke der Dualität physischer und psychischer Kräfte. Die obersten Pfeile symbolisieren die Ausgeglichenheit der physischen und psychischen Befindlichkeit.

Nfuiri ist der Geist der Toten. Der mittlere Pfeil richtet sich ins Unendliche. Die drei kleinen Kreise werden von Pfeilen halbiert: Sie zeigen in die Richtung der Seele und in die des spirituellen Lebens. Das Dreieck, zweifach längst und quer geteilt, symbolisiert den Geist, der sich aus seinem materiellen (Körper) Dasein verabschiedet. Die Krillumba, die sechs runden Ele­
mente, symbolisieren die Wesenszüge des Verstorbenen.

Baluande - Yemaya (7 Seen in Unwetter): Der vertikale Pfeil steht im Zentrum des Geistes Nfumbe. Die horizontalen Pfeile symbolisieren die sieben Meere: Karibisches Meer (stürmisch), Nordsee (sehr stürmisch), Rotes Meer (normal), Schwarzes Meer (normal), Baltisches Meer (stürmisch), Kaspisches Meer (ruhig) und das Tote Meer (ruhig). Auch hier bedeutet das Dreieck Feuer, das lodernd brennt. Die Halbkreise stehen als Zeichen für Blei und Eisen.

Centella Sacara Empeno (Verbindung der Brillumba mit der Seele Sola): Die Pfeile auf der linken Seite stehen symbolisch für das Kriegerische und zeigen gleichzeitig die Möglichkeit, anderen Schmerz zuzufügen Die zentrale Zeichnung (Symbole) steht dafür, den bösen Geist, der aus der Nganga entnommen worden ist, zu beeinflussen. Die kleineren Kreuze versuchen das Gleichgewicht zwischen dem Guten und dem Bösen zu halten, mit dem der Tata O Padre (Meister) arbeitet. Die kleinen Kreise gehören zu bösartigen Geistern. Die Noca O Maja (S-förmiger Pfeil) ist die Schutzpatronin des Guten.

Kengue - Obbatala (Santeria) – Las Mercedes (Katholizismus): Diese sich kreuzenden Pfeile mit S-förmigen Linien stellen die Flüsse, Seen, Ströme und Hügel dar und symbolisieren die Entstehung des Universums. Der zentral platzierte Pfeil ist ein Zeichen für die Beständigkeit der Erde (Ntolo) und des Sternenzeltes (Nsulu).

Sarabanda Mununga Tarambele Ndoki: Diese Geister bzw. Heiligen gehörten sowohl dem christlichen als auch dem Glauben der Sklaven an. Sarabanda heißt auch San Pedro. Mununga steht für die heilige Antonia Gervasio und Tarambele für San Roque. Ndoki zeigt den bösartigen Geist. Der zentrale Pfeil in Verbindung mit einem Halbmond (links oben) bedeutet Krieg. Die horizontalen Pfeile symbolisieren sieben Blitze des Krieges. Der kleine runde Kreis steht für die bösen Geister und das Pluszeichen für die guten Geister. Auch hier schützt die Noca oder Maja. Der halbe Kreis ist ein Zeichen für den Hügel, in dem gearbeitet wird. Die Pfeile darauf bedeuten den Friedhof.

Firma Para Espantar Un Espiritu: Ein Zeichen, das die Funktion hat, einen Geist zu erschrecken. Hier wird dem zentralen Pfeil, der den Weg aufweist, gefolgt. Denn man möchte den gestörten Geist aus dem Körper (Kreis) heraus­zerren. Die unregelmäßige Schlangenlinie steht für einen Geist, ist aber auch ein astrologisches Zeichen. Es symbolisiert fließendes Wasser, das durch Kreuze (positive Kräfte) und Kreise (negative Kräfte) sein Gleichgewicht erhält. Der schlangenförmige sich nach oben richtende Pfeil ist ein Zeichen des wachsenden, sich emporarbeitenden Geistes, der sich seinem Ziel zum Körper (Kreis) nähern will. Auch der Körper enthält das Zeichen der Dualität (zwei sich kreuzende Pfeile).

Naima Salam
Kunsthistorikerin